"Gleichgültigkeit ist die größte
Sünde."
Wladyslaw
Bartoszewski - früherer polnischer Außenminister, selbst Auschwitz-Überlebender,
am
5. Mai 10 beim Jahrestag der Befreiung des KZ-Mauthausen
Wissen Sie nicht...?
Dr. Susanne Scholl
<Gewissensfragen zum Abschieben> nennt die
frühere ORF-Korrespondentin
Dr. Susanne Scholl einen offenen Brief an Kanzler Faymann, Innenministerin Fekter und
Außenminister Spindelegger: im STANDARD vom 8./9. Mai 10.
Zu Beginn erzählt sie, dass ihre Großeltern 1939 aus
Nazi-Österreich nach Belgien fliehen konnten. Aufgefordert das Land wieder zu
verlassen, bedroht mit Abschiebung „haben die Nazis sie in Belgien eingeholt –
und ermordet.“
Ihr eigenes Leben verdanke sie der Tatsache, dass
England ihre Eltern nicht abgeschoben habe. Acht Fragen stellt sie:
Als Österreicherin und
Mensch mit Gewissen frage ich Sie:
1. Wissen Sie nicht, dass
die große Mehrheit jener, die heute in Österreich Zuflucht suchen, das tut,
weil sie an Leib und Leben bedroht ist?
2. Wissen Sie nicht, was auf
die Menschen, die jetzt Tag für Tag wie Kriminelle außer Landes gebracht
werden, zukommt? Welches Schicksal die meisten dort erwartet, wohin sie von
Österreich aus verfrachtet werden?
3. Wissen Sie nicht, wie
viele jener, die jetzt plötzlich unbedingt abgeschoben werden müssen, seit
Jahren hier leben und nur eben das wollen: in Ruhe und Sicherheit hier leben?
4. Glauben Sie nicht, dass
schnelle und faire Asylverfahren die Lage wesentlich besser entspannen würden
als willkürliche Abschiebungen?
5. Glauben Sie nicht, dass
wirkliche Experten – also Menschen, die die Situation tatsächlich gut kennen –
die Lage in den jeweiligen Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen,
beurteilen sollten und nicht desinteressierte, überforderte Beamte?
6. Glauben Sie nicht, dass
eine Arbeitserlaubnis den Menschen eine Perspektive geben würde und auch
verhindert, was Sie Sozialschmarotzertum nennen?
7. Glauben Sie nicht, dass
zutiefst traumatisierte Menschen von ausgebildeten Psychologen und nicht von
überforderten Polizisten einvernommen werden sollten?
8. Glauben Sie nicht, dass
gerade Österreich eine besondere Verpflichtung hat, Menschen in Not zu helfen?
NICHT IN UNSEREM NAMEN
Allerorten machen Andersdenkende inzwischen ihrer Empörung
Luft darüber, dass in ihrem Namen Menschen verstoßen werden, deren einziges
Vergehen darin besteht, am falschen Ort
zur Welt gekommen zu sein.
„Wir brauchen diese Kinder“ nennt
sich beispielsweise eine Plattform im vorarlbergischen Schruns, deren
Mitglieder nicht einsehen, dass ein Land, das ständig sein Geburtendefizit
beklagt, auf vorhandenen Nachwuchs verzichten will, weil er – ja, was denn nun?
Fremde Gene in sich trägt?
Die Initiative
„Lichterkette“ und ein Aktionsforum „Damma wos“ rufen zu Protest auf.
„Arigona muss bleiben,
Fekter muss gehen“, fordert eine Facebook-Gruppe mit über 5000 Mitgliedern.
Und beherzten Einwohnern der
Vorarlberger Gemeinde Röthis gelang es vor Kurzem bekanntlich sogar, eine
Abschiebung zu verhindern. Als frühmorgens die Beamten kamen, um eine
kosovarische Familie abzuholen, waren an die vierzig Leute aus dem Ort schon da
und fingen an, mit ihnen zu diskutieren. Der friedliche Protest trug schließlich
Früchte. Die erwünschten Ausländer
durften, vorläufig wenigstens, bleiben.
All das ist ebenfalls
Österreich. Wieso hören sie nicht auf diesen Teil der Bevölkerung, die
Innenministerin und der burgenländische Landeshauptmann und alle die anderen,
die behaupten, den Wähler zufriedenstellen zu müssen? Die Wählerstimmen dieser
BürgerInnen sind ihnen nichts wert?
Auszug aus der Kolumne NICHT
IN UNSEREM NAMEN
von Elfriede Hammerl im profil -29. März 2010
"Muss
ich jetzt auch ins Gefängnis?"
von Maria Sterkl | 17. März 2010, 15:13
Abschiebungen naher Bekannter
lösen im Umfeld Traumata aus - "Keine Abschiebung von Freunden",
fordert eine NÖ-Gemeinde
Dass
der neunjährige Bernard Karrica seit dem 22. Februar nicht mehr in die Schule
kommt, geht juristisch betrachtet mit rechten Dingen zu. Bernard wurde
abgeschoben, weil der Asylantrag seiner Familie, römisch-katholische
Zugewanderte aus dem Kosovo, abgelehnt worden war. Das findet selbst deren
Rechtsberaterin Karin Klaric nicht ungerecht: Es sei "ein wasserdichter
Bescheid", den der Asylgerichtshof hier produziert hatte. Trotzdem will
der Protest nicht abreißen: "Keine Abschiebung von Freunden", fordern
mittlerweile 5000 UnterstützerInnen der Initiative "Fußball
verbindet", die von FreundInnen der Familie des begabten Nachwuchskickers
aus Muthmannsdorf in Niederösterreich ins Leben gerufen worden war.
"Das gehört sich nicht"
Dabei
geht es der Initiative gar nicht darum, Bernard wieder nach Österreich zu
holen. "Dieser Zug ist abgefahren", sagt Karin Klaric. "Wir
protestieren dagegen, dass man Neunjährige ins Gefängnis sperrt und abschiebt
wie Vieh", sagt der Bauunternehmer Hans Jörg Ulreich, Vater eines
Fußball-Teamkollegen Bernards. "Gesetze hin, Gesetze her - das gehört sich
einfach nicht."
Wie
schon kürzlich bei der (vorerst) verhinderten Abschiebung in der Vorarlberger
Gemeinde Röthis (derStandard.at
berichtete) sind es nicht AsylberaterInnen oder
Menschenrechtsorganisationen, die sich für mehr Milde in der Asylpraxis
einsetzen - sondern das soziale Umfeld. Neu dabei ist, dass sie ihr Engagement
nicht auf den Einzelfall beschränken, sondern "sich mit anderen
Betroffenen vernetzen" wollen. Und Betroffenheit meint hier nicht die von
Abschiebung bedrohte Familie, sondern deren Umgebung.
Geschockte Kinder
Die
Ausweisung sei für alle überraschend gekommen. "Ich habe nicht einmal
gewusst, dass Bernard ein Ausländer ist", sagt Ulreich. Weder die
Klassenlehrerin noch die Direktorin waren über die bevorstehende Abschiebung
informiert. Bei Schul- und TeamkollegInnen habe der Vorfall Schock und Ängste
ausgelöst. "Muss ich jetzt auch ins Gefängnis?", habe Ulreichs Sohn
David, ein Teamkollege Bernards, gefragt.
Die
Initiative fordert nicht nur mehr Rücksichtnahme bei künftigen Abschiebungen,
sondern eine Ausweitung des Bleiberechts. "Es gibt ja ein humanitäres
Aufenthaltsrecht. Man muss es nur mit Leben füllen", meint Ulreich.
(derStandart.at)
Link: www.fussballverbindet.org
Wenn der unbedingte Wille zum Schutz
wehrloser Kinder nichts mehr gilt …
Wie barbarisch
kann eine Gesellschaft handeln, die sich selbst als zivilisiert bezeichnet? Wie
grausam kann ein Staat, dessen Bürger in nie gekanntem Wohlstand leben, gegen
die Schwächsten, Zartesten, Verletzlichsten vorgehen?
Erinnern wir uns
an die dunkle Zeit des kollektiven Verbrechens, an die Jahre des
Nationalsozialismus: Es war die letzte mitteleuropäische Epoche, in der Kinder
ganz bewusst einem skandalösen politischen Ideal geopfert wurden. Und werfen
wir dann einen Blick auf die heutige Realität: Österreich und Deutschland sind
die einzigen europäischen Länder, in denen Abschiebehaft gegen Kinder verhängt
wird.
Mein Großvater
hat immer gesagt: „Lieber gut schlafen als gut essen.“ Und er hatte Recht, weil
nun einmal ein voller Bauch ein intaktes Rückgrat nicht ersetzen kann. Wir
müssen es achten und pflegen, unser Gewissen, wir müssen es behüten, weil es
uns vor der Verrohung und vor der Entmenschlichung behütet.
Dieser Staat, diese
Gesellschaft sind wir alle. Daher ist es unser aller Pflicht, gegen das Unrecht
aufzustehen, das mit unseren Stimmen, in unserem Namen begangen wird. Wer heute
schweigend wegsieht und morgen behauptet, er habe von nichts gewusst, der hat
die Bezeichnung „menschlich“ nicht länger verdient.
Stefan Slupetzky
Autor und Musiker - Wien
Wir sind das Volk
überschreibt
Arnulf Häfele seinen Gastkommentar in den „Vorarlberger Nachrichten“ vom
8. März
2010, in dem er sich mit den Ereignissen in Röthis bei der versuchten
Abschiebung der Familie Durmisi in den Kosovo befasst. Darin schreibt er unter
anderem:
Ein Wort zur Heiligkeit
„In
der jüdisch-christlichen Tradition kommt dem Schutz des Fremden, des
Flüchtlings, zentraler Stellenwert zu. „Einen Fremden sollst du nicht
ausbeuten, und du sollst ihn nicht unterdrücken“ (Ex 22,20). Der theologische
Rang dieser Schutzbestimmungen ist kaum zu übertreffen. Sie haben dasselbe
Gewicht wie religiöse und kultische Normen: Sie gehören zur Gottesbeziehung
selbst. Nähe zu Gott und Benachteiligung der Fremden sind unvereinbar. Der
Bruch des Rechts der Fremden trennt von Gott.
Nirgendwo wird in der Bibel davon gesprochen, dass Fremde ihr Recht auf Schutz
verwirken könnten, wenn sie sich nicht ordnungsgemäß benehmen. Nicht der
Schutzsuchende, sondern die Mächtigen sind Adressanten der biblischen Mahnung.
„Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen.“ Das sollte
wissen, wer im Jahrestakt das Fremdenrecht zurechtbiegt – wenn denn schon die
Heiligkeit beschworen wird.“
Michael Chalupka – Direktor
der Diakonie Österreich
aus: Die Presse – 13.
Februar 2010
Alle Augenblicke neue gesetzliche Regelungen
„Ich verstehe nicht, warum
im Bereich des Asylrechts und des Fremdenrechts alle Augenblicke neue
gesetzliche Regelungen erforderlich sein sollen. Allein im Jahre 2009 ist das
Asylgesetz dreimal novelliert worden, das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz
viermal. Und jetzt haben wir schon wieder eine neue Debatte.
Sie werden von mir keine
Beurteilung von Politikern hören. Aber ich verstehe nicht, warum in einem so
heiklen Bereich ständig ein neues Thema aufgebracht wird. Jetzt wird es so
dargestellt, als ob Asylwerber, die untertauchen, das Hauptproblem sind.
Ich nehme das ganz anders
wahr: Seit es die Neuregelung des Rechtsschutzes von Asylwerbern gibt, seit
Mitte 2008, haben wir 5000 Entscheidungen in Asylfällen getroffen. In zwei
Drittel dieser Fälle war es so, dass die Asylverfahren fünf, sechs, sieben
Jahre und länger gedauert haben. Und zwar nicht, weil der Betroffene sich mit
Händen und Füßen gewehrt hätte – sondern schlicht und einfach, weil das behördliche
Verfahren so lange gedauert hat. Das ist das wahre Problem. Und in keinem
dieser Fälle ist es für uns deutlich geworden, dass der Asylwerber
untergetaucht wäre. …..
Es muss darum gehen, die
Verfahren zu beschleunigen. Stattdessen aber haben wir hektische Diskussionen
über eine Anwesenheitspflicht. Das ändert am Gesamtproblem nichts.“
Gerhard Holzinger –
Präsident des Verfassungsgerichtshofes
aus: DER STANDARD – 13.
Februar 2010
Kommt
einer
von ferne
mit einer Sprache
die vielleicht die Laute
verschließt
mit dem Wiehern der Stute
oder
dem Piepen
junger Schwarzamseln
oder
auch wie eine knirschende Säge
die alle Nähe zerschneidet –
Kommt einer
von ferne
mit Bewegungen des Hundes
oder
vielleicht der Ratte
und es ist Winter
so kleide ihn warm
kann auch sein
er hat Feuer unter den Sohlen
(vielleicht ritt er
auf einem Meteor)
so schilt ihn nicht
falls dein Teppich durchlöchert schreit –
Ein Fremder hat immer
seine Heimat im Arm
wie eine Waise
für die er vielleicht nichts
als ein Grab sucht.
Nelly Sachs (1949)
Die Unterscheidung kann doch nicht so schwer sein
„Doch die Frage bleibt und
sollte endlich öffentlich gestellt werden, wieso die Polizei, bzw. das
Innenministerium, nicht in der Lage ist, diese berufstätigen gefährlichen
Kriminellen aus anderen Ländern von den hilfsbedürftigen Flüchtlingen zu
unterscheiden? Das dürfte doch wohl nicht zu schwer sein – Alte, Kranke,
Schwangere, Kinder und Jugendliche und Traumatisierte sind wohl eher selten bis
nie eine Bezugsgruppe für die organisierte Kriminalität, denn mit ihnen wäre
sicherlich ein zu großes geschäftliches und finanzielles Risiko verbunden.“
Mag. Kerstin Kellermann –
freie Journalistin in Wien
aus: DIE PRESSE – 10.
Februar 2010
„Es gibt da eine enorme Diskrepanz:
So hat etwa das große
Unglück in Haiti eine gewaltige Welle an Menschlichkeit und Solidarität
ausgelöst. Gleichzeitig werden über Menschen, die eine andere Sprache sprechen
oder aus einem anderen Kulturkreis zu uns kommen, manchmal erschreckende
Formulierungen verwendet.
Die Österreicher haben sehr
viele Gutpunkte im Umgang mit Flüchtlingen gesammelt, wenn ich an
Ungarn-Flüchtlinge denke, an den Prager Frühling und auch an die hilfsbereite
Haltung gegenüber den ungefähr 80.000 Bosnien-Flüchtlingen.
Gleichzeitig aber sammeln
wir auch – ich sage wir, obwohl man natürlich nicht alle in einen Topf werfen
darf – viele Schlechtpunkte mit einer Haltung, die unserem Bekenntnis zum
europäischen Menschenbild und zur Menschenrechtsdeklaration nicht gerecht wird,
wenn Asylwerber manchmal pauschal als Kriminelle empfunden und bezeichnet
werden.“
Bundespräsident Heinz
Fischer
profil - 1. Feb. 2010
Wir sollten sie aufnehmen, wie auch wir aufgenommen
werden wollen
„Es darf nicht passieren,
dass wir Zuwanderer nur als Wirtschaftsflüchtlinge sehen, die sich bei uns
bequem einnisten wollen. Das sind meist leistungswillige Menschen,
deren kreatives Potential
wir brauchen. …..
Da ist eine feindselige
Stimmung entstanden. Ich weiß nicht, warum man vor Migrationsinteressierten
Angst haben sollte. Im Gegenteil, wir sollten sie aufnehmen, wie auch wir
aufgenommen werden wollen.“
Reinhold Mitterlehner –
Wirtschaftsminister
aus NEWS – 20. Jänner 2010
„Jetzt, wo es um die Herbergsuche für 300 unschuldige, politisch oder religiös verfolgte Menschen geht ….“
Josef Pröll, Vizekanzler
Maria Fekter,
Innenministerin
(Quelle: DER
STANDARD, 23. und 24.12.09)
Innere Zerrissenheit, die
unchristlich und unsozial machen kann
Siegfried Nagl, ÖVP-Bürgermeister von Graz
Interview in NEWS – 17. Dez. 2009
<Ich fordere auch, dass
Menschen, die mit einem Asylverfahren zu uns kommen, sofort eine
Arbeitsmöglichkeit bekommen, denn sonst ist die Reaktion der Leute: „Die
schöpfen nix!“>
>Die Integration ist für
einen Staat eine Chance und nicht vorrangig ein Sicherheitsproblem.>
<Das ist ja eine der
großen Schwierigkeiten, denen eine Ministerin ausgesetzt ist, die für beide
Bereiche, nämlich sowohl Sicherheit als auch Integration, verantwortlich ist:
In diesen Bereichen hast du eine innere Zerrissenheit, die dich bei jeder Frage
gleich unchristlich und unsozial macht. Daher bin ich für eine Trennung der
Bereiche Sicherheit und Integration.>
Wien (epd Ö) - "Die
rechtlichen Bedingungen, unter denen Fremde in unserem Land zu leiden haben,
sind aus unserer Sicht nicht länger hinzunehmen." Das erklärte die
Superintendentialversammlung der lutherischen Diözese Wien am Samstag, dem 21.
November, in einem einstimmigen Beschluss.
In dem Beschluss fordert die Evangelische Superintendenz A.B. Wien die
politischen Verantwortlichen auf, die asylrechtlichen Verfahren "fair und
zügig abzuwickeln", nach langen Verfahren "großzügig ein Bleiberecht
aus humanitären Gründen zu gewähren, insbesondere, wenn die Betroffenen gut
integriert sind" und "jede Verhängung von Schubhaft sowie die Dauer
jeder Schubhaft gewissenhaft zu prüfen und diese so kurz wie möglich zu
halten". Der Text schließt mit den Worten: "Wir erwarten uns von Frau
Bundesministerin Fekter den Mut zu humanen Lösungen in Grenzfällen."
Darüber hinaus macht sich die Superintendentialversammlung in einem ebenfalls
einstimmigen Beschluss die Resolution der Generalsynode vom 7. November zu
eigen, in der für eine Politik eingetreten wird, "die MigrantInnen,
Flüchtlinge und ethnische Minderheiten nicht benachteiligt oder
ausgrenzt", und in der ein großzügigen humanitäres Bleiberecht gefordert
wird.
23.11.2009
Evangelische Kirche: Bleiberecht großzügig anwendenDie
Superintendentialversammlung der evangelisch-lutherischen Diözese Wien
fordert einen großzügigen Umgang mit dem "Bleiberecht aus humanitären
Gründen" für in Österreich gut integrierte Asylwerber.
Die rechtlichen Bedingungen, "unter denen
Fremde in unserem Land zu leiden haben", sind aus Sicht der
Superintendentialversammlung "nicht länger hinzunehmen." In einem
am Samstag einstimmig angenommenen Beschluss fordert die Superintendenz Wien
die politisch Verantwortlichen auf, die asylrechtlichen Verfahren "fair
und zügig abzuwickeln" und nach langen Verfahren "großzügig ein
Bleiberecht aus humanitären Gründen zu gewähren, insbesondere, wenn die
Betroffenen gut integriert sind". Jede Verhängung von Schubhaft sei
genau zu prüfen "und diese so kurz wie möglich zu halten". Von
Innenministerin Maria Fekter (VP) erwartet die Superintendentialversammlung
"den Mut zu humanen Lösungen in Grenzfällen." Weitere News zum Thema:
- 13. 11. 2009: Fall Zogaj: Caritasdirektor mahnt Menschlichkeit ein - 09. 11. 2009: Evangelische Kirchen für großzügigeres Bleiberecht Orf Religion |
|
|
|
|
|
News 13. 11. 2009 |
|
|
Fall Zogaj: Caritasdirektor mahnt Menschlichkeit einDer
negative Asylbescheid für Arigona Zogaj und die in Österreich befindlichen
Mitglieder ihrer Familie hat den Linzer Caritasdirektor Mathias Mühlberger zu
einem Appell zu mehr Menschlichkeit veranlasst.
Nach der getroffenen juristischen Entscheidung
seien die verantwortlichen Politiker angehalten, im Umgang mit der Familie
Menschlichkeit walten zu lassen, sagte Mühlberger am Freitag. Der
Caritasdirektor appellierte an das Einfühlungsvermögen der Verantwortlichen.
Es sei wohl für jeden Menschen nachvollziehbar, dass die gesamte Situation,
das lange Warten auf eine Entscheidung und jetzt der negative Bescheid für
ein junges Mädchen, ihre Mutter und die Geschwister eine enorme psychische
Belastung darstelle. Solidarität mit den Zogajs sei notwendig. "Als
Christen sollte es eine Selbstverständlichkeit für uns sein, dass wir
gegenüber Menschen in einer derartigen Krisensituation Mitgefühl zeigen und
sie in ihrer Not nicht alleine lassen", so Mühlberger. Mehr zum Thema: - oe1.ORF.at: Funk: "Zogajs haben kaum
Chancen" - oe1.ORF.at: Bleiberecht - totes Recht? |
Kain antwortet auf Gottes
Frage nach seinem Bruder Abel mit den Worten: „Bin ich denn der Hüter meines
Bruders?“ Diese Frage bringt immer noch die moralische Frage des Menschseins
auf den Punkt:
Welche Verantwortung haben
wir füreinander?
Gerne drehen wir die Frage
um und stellen ein für alle Mal fest, wofür wir nicht verantwortlich sein
können. Noch beliebter ist die rasche Klärung der Schuldfrage.
Sie trägt zwar nichts zur
Lösung der Probleme bei, ermöglicht aber eines mit Sicherheit: die Feststellung
der eigenen Unschuld. Ist ein Sündenbock einmal vor die Stadt getrieben, stellt
sich die Frage der Mitverantwortung nicht mehr.
Vor sieben Jahren kam
Arigona Zogaj mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Österreich. Illegal.
Zumal sie offensichtlich nicht als Asylwerber durchgehen konnten, hätten sie
umgehend zur Rückkehr in den Kosovo verpflichtet werden müssen.
Das ist nicht geschehen. Und
damit erreicht die Causa eine andere Qualität: Durch miserable Gesetze und noch
schlimmere Verfahrensmängel hat die Republik ermöglicht, dass Arigona Zogaj zu
einer Bürgerin dieses Landes wurde, die – insbesondere sprachlich – nicht mehr
von anderen Oberösterreicherinnen ihres Alters zu unterscheiden ist; eine
solche Frau nach sieben Jahren abschieben zu wollen, ist daher ein einziger
Zynismus.
Johannes Huber (VORARLBERGER
NACHRICHTEN / 14./15. Nov. 09 – „Arigona Zogaj muss bleiben“)
Abgeschoben, weil sie bleiben wollten
DER STANDARD vom 2. Oktober 2009
bringt unter dieser Überschrift einen Bericht aus dem auszugsweise zitiert
wird:
<Die aus dem Kosovo
stammenden Familie P. war in der steirischen Gemeinde Semriach das, was man als
gut integriert bezeichnet. …………..
Die Familie, die 2005 nach
Österreich kam und einen Asylantrag stellte, der 2007 negativ beschieden wurde,
hatte Beschwerde dagegen eingebracht. Diese wurde im Mai 2009 abgelehnt. Sofort
stellte man Antrag auf humanitären Aufenthalt. Semriacher sammelten
Unterstützungserklärungen. Doch noch während das Verfahren lief wurde die Familie
im Juni abgeschoben. ………………….
Roland Frühwirth von der
Grazer Rechtsanwaltskanzlei Kocher&Bucher, der die Familie vertritt,
erklärt, was in diesem Fall, der stellvertretend für hunderte steht, die
„Paradoxie der bisherigen Regelung“ besonders deutlich macht: Die Anträge der
Familie P. wurden nach der Abschiebung abgewiesen, „weil eine
Entscheidungsvoraussetzung zum Entscheidungszeitpunkt nicht vorgelegen“ sei.
Nämlich: „Ihr Aufenthalt im Bundesgebiet!“
Wo kommen solche Bescheide
zustande? ……. Frühwirth erklärt den „normalen“ Vorgang: „Die Behörde nimmt die
Bleiberechtsanträge entgegen, behandelt diese aber nicht, schafft die Person
außer Landes und braucht sich so nicht mehr mit dem Antrag auseinandersetzen.“
……………..
Montafoner
Bürger-Initiative:
„für eine sinnvolle,
menschliche und vernünftige Vorgangsweise“
In
einer Presseaussendung der Vorarlberger
Grünen – veröffentlicht auf vol.at am
2. Sept. 09 fordert Landtagsabgeordnete
und Integrationssprecherin Karin Fritz
klare, menschliche Gesetze und rasche Hilfe für Asylwerber in Vorarlberg und
nimmt auch Bezug auf die Plattform „wir-brauchen-diese-kinder“
„Von
den 900 Asylwerber/innen in Vorarlberg warten rund 300 Personen schon mehr als
5 Jahre auf den Abschluss ihres Asylverfahrens. Diese Zeit der Ungewissheit und
der Unsicherheit, in der diese oft stark traumatisierten Menschen keinen Zugang
zum Arbeitsmarkt haben, ist für die Asylwerber/innen eine große Belastung. Das
neue Bleiberecht bietet hierfür keine wirkliche Lösung und wird offensichtlich
sehr restriktiv gehandhabt, denn in Vorarlberg haben bisher gerade einmal 7
Personen das Bleiberecht erhalten. …
Fälle wie der der
Familie Krasniqi sind kein Einzelfall. Sie zeigen, dass das Asylgesetz
unausgegoren, unmenschlich und wirtschaftlich unsinnig ist. Da werden
Asylanträge abgelehnt, obwohl wie in diesem Fall offenbar Gefahr für die
Menschen in ihrem Land droht, da werden gut integrierte Familien, tüchtige
Familienväter und fleißige Schüler/innen abgeschoben
Auf Grund dieser unsinnigen Regelungen sind
schon mehrfach Mitbürger/innen aktiv geworden. Jetzt im Falle der Familie
Krasniqi, vor einigen Monaten hat sich aus ähnlichen Gründen eine breit
unterstützte Bürger/innen- Initiative im
Montafon gebildet, die sich mit ihrer Aktion „Wir brauchen diese Kinder“ für
eine sinnvolle, menschliche und vernünftige Vorgangsweise einsetzt. Die
Landesregierung wiederum betont die Zuständigkeit des Bundes statt sich für
menschliche Lösungen hier im Land stark zu machen.“
Texte
der Autorin Elisabeth Marx
für
die Initiative WIR-BRAUCHEN-DIESE-KINDER
Schrei des Herzens
die Frage auf
den Lippen Geknechteter
sucht wache Ohren
empfindsame Seelen
aufrichtige Hände
geduldige verstehende Zuhörer
gereift in der Weisheit
selbst geweinter Tränen
Arroganz
päpstlicher als der Papst
weiser als Salomos Katze
göttlicher als Gott
solange der Mensch diesem Hochmut frönt
wird Hochmut vor Mut
Herrschen vor Dienen
Richten vor Recht
Werten vor Akzeptieren
Befehlen vor Einsehen
Ablehnung vor Verstehen
Verletzen vor Berühren
Macht vor Stärke
Krieg vor Frieden stehen
Die
Generalversammlung der IG Autorinnen Autoren Österreichs
beschloß auf der
Generalversammlung am 22.2.2009 folgende Resolution:
Recht muß Recht bleiben,
heißt es immer öfter
Aber: Gesetz muß nicht
Gesetz bleiben, Gesetze können, ja müssen geändert werden, wenn sie Gefahr
laufen, nichts mehr mit der Welt zu tun zu haben, der sie Entstehung und
Geltung verdanken. Nicht einmal entschlossen rückwärtsgewandte Utopisten würden
sich wünschen, in einem Staat zu leben, in dem die Gesetze von 1909 gelten.
Gesetz und Recht können in Konflikt geraten, das dürfen wir gerade in einem
Land wie unserem nie vergessen, indem pünktlichste Gesetzestreue das denkbar
größte Unrecht ermöglichte.
Wird die Sprache ungenau,
dann wird allzu leicht auch das Denken nebulos und unscharf. Die Begriffe Recht
und Gesetz sind nicht gleichbedeutend, es gibt Überschneidungen, aber auch
eindeutige Unterschiede. Gesetz behält im Plural seine Bedeutung ohne Wenn und
Aber, Rechte hingegen könnte man als eine Erweiterung von „Recht“ betrachten,
als Voraussetzung für mögliche Gerechtigkeit sogar. (Natürlich nur unter der
Bedingung, daß es sich um den Plural von Recht handelt.) Wozu schon Goethe wußte,
dass gute Gesetze zwar eine Vorbedingung, aber keineswegs eine Garantie für
Gerechtigkeit darstellen: „Einen tüchtigen Mann zu haben, der den Leuten Recht
sprechen soll und vor lauter Recht nicht zur Gerechtigkeit kommen kann.“
Es ist gefährlich, in
Paragraphen gegossene Gesetze mit Recht als absolutem Wert gleichzusetzen, weil
da die Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben muß. Gesetze unterliegen einer
Hierarchie, von den Verfassungsgesetzen an der Spitze bis zu
Verwaltungsgesetzen am unteren Ende. Daß kodifiziertes Recht nicht dazu
verurteilt ist, zwar dem Kodex zu genügen, aber Gerechtigkeit unmöglich zu
machen, liegt am Ermessensspielraum – der vielleicht mit den Leerstellen in der
Literatur vergleichbar ist. Gleichzeitig liegt in diesem Ermessensspielraum
auch die Gefahr eines Mißbrauchs.
Wer die Macht hat, hat das
Recht, sagt ein sowohl resignatives als auch zynisches Sprichwort. Dem wäre
entgegenzusetzen, dass vor dem Mißbrauch der Macht zu schützen eine der
vornehmsten Aufgaben des Rechts ist. Ganz sicher ist es ein Mißbrauch des
Rechts, sich hinter Gesetzesparagraphen zu verstecken, um eigene Interessen
durchzusetzen. Dieser Mißbrauch öffnet dem oft beschworenen Werteverlust eine
breite Bresche und gefährdet die Grundpfeiler unserer Demokratie.
„Gesetz und
Recht können in Konflikt geraten, das dürfen wir gerade in einem Land wie
unserem nie vergessen, indem pünktlichste Gesetzestreue das denkbar größte
Unrecht ermöglichte.“
Wenn Recht der übergeordneten Kategorie Menschenrecht
widerspricht
„Recht muß Recht bleiben“
ist wohl eine Farce, wenn das Recht, auf das man sich dabei beruft, der
übergeordneten Kategorie des Menschenrechts widerspricht. Recht, das auf
Unrecht basiert, kann auch durch ständige Wiederholung nicht legitimiert
werden.
Die IG Autorinnen Autoren
hat schon vor Jahren gemeinsam mit zahlreichen anderen Kulturorganisationen in
Österreich zu einer großen Bleiberechtsdemonstration aufgerufen, sie wiederholt
ihren Ruf nach einem humanitären Bleiberecht insbesonders für diejenigen, die
sich auf Grund der Dauer von Aufenthaltsverfahren bereits seit Jahren in
Österreich befinden und hier groß geworden sind, sich also als Österreicher,
ganz im Sinne der meisten typischen Österreicher, die ihre Wurzeln außerhalb
unseres Landes haben, verstehen können.
Renate
Welsh, Anna Migutsch, Gerhard Ruiss, Gerhard Altmann,Georg Bydlinski, Manfred
Chobot, Margit Hahn, Andreas Kövary, Nils Jensen, Wolf Käfer, Johanna König,
Ludwig Laher, Heinz Lunzer, Werner Richter, Simone Schönett, Peter Paul
Wiplinger, O. P. Zier, Sylvia Treudl, Simone Stiller – Unabhängiges
Literaturhaus Niederösterreich
14.1.2009
„Österreicher, ganz im Sinne der meisten
typischen Österreicher, die ihre Wurzeln außerhalb unseres Landes haben……“
Teilen sie uns Ihre
Ansicht mit. Schreiben Sie uns bitte. Wir sind dankbar für jede Zuschrift! Kontakt
Schrunser
Plattform „Wir brauchen diese Kinder“ info@wir-brauchen-diese-kinder.at